Tarifstreit: 9,4 Prozent mehr Lohn für Hafenarbeiter

Stand: 23.08.2022 19:04 Uhr

Es war ein langer Tarifstreit, angesichts der hohen Inflation blieb ver.di hart. Nun gibt es eine Einigung für die Hafenarbeiter: Der Lohn soll rückwirkend zum 1. Juli angehoben werden. Ein Streik ist damit wohl vom Tisch.

Für die 12.000 Hafenarbeiter in Norddeutschland gibt es nach monatelangem Tarifstreit eine Einigung. Demnach sollen die Entgelte in Vollcontainerbetrieben rückwirkend zum 1. Juli um 9,4 Prozent angehoben werden. Das teilte die Gewerkschaft ver.di nach der zehnten Verhandlungsrunde mit dem Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe mit. In den konventionellen und den Stückgut-Hafenbetrieben steigen die Löhne um 7,9 Prozent und ab 1. Juni 2023 erhöhen sie sich dann um weitere je 4,4 Prozent.

Der neue Tarifvertrag hat eine Laufzeit von zwei Jahren. Allerdings wurde ein Sonderkündigungsrecht für den Fall vereinbart, dass die Inflation auch im nächsten Jahr noch so hoch ist.

Erleichterung auf beiden Seiten

Die Bundestarifkommission der Gewerkschaft habe dem Verhandlungsergebnis bereits zugestimmt. Angesichts des besonderen Charakters dieser Tarifrunde wolle die Gewerkschaft allerdings noch die Zustimmung der Mitglieder in den betroffenen Betrieben einholen. Die endgültige Entscheidung der Tarifkommission ist für den 5. September geplant.

Die Hafenlogistikwirtschaft reagierte erleichtert auf die Einigung und die Zustimmung der ver.di-Tarifkommission. “In einer gemeinsamen Kraftanstrengung ist es uns auch mit Hilfe neuer Instrumente gelungen, einen Kompromiss zu finden”, sagte die ZDS-Verhandlungsführerin Ulrike Riedel. “Wir warten nun die weitere Entscheidungsfindung bei ver.di ab.”

Mit der Einigung ist ein erneuter Arbeitskampf in den Häfen mit großer Wahrscheinlichkeit vom Tisch.

“Unser wichtigstes Ziel war ein echter Inflationsausgleich, um die Beschäftigten nicht mit den Folgen der galoppierenden Preissteigerung allein zu lassen. Das ist uns gelungen”, sagte ver.di Verhandlungsführerin Maya Schwiegershausen-Güth.

Heftigster Tarifkonflikt seit vier Jahrzehnten

Zuletzt hatte ver.di Mitte Juli in den Häfen Mitte Juli den Güter- und Containerumschlag weitgehend lahmgelegt. Zuvor gab es bereits Warnstreiks, die eine Schicht beziehungsweise einen Tag gedauert hatten. In einem Flugblatt an die Belegschaften hatte ver.di vor Beginn der zehnten Verhandlungsrunde bereits eine Urabstimmung über einen Erzwingungsstreik ins Gespräch gebracht. Einen solch heftigen Tarifkonflikt gab es in den Häfen seit mehr als vier Jahrzehnten nicht mehr.

Die Gewerkschaft bestand in dem festgefahrenen Streit auf einer Sicherung der Reallöhne für alle Beschäftigten über die gesamte Laufzeit eines Tarifabschlusses. Während ver.di einen zwölfmonatigen Tarifvertrag favorisierte, strebten die Arbeitgeber eine Laufzeit von 24 Monaten an.

Ein Ausstand hätte die ohnehin zulasten von Wirtschaft und Verbrauchern massiv gestörten Lieferketten zur Unzeit getroffen. Der globale Containerschiffsverkehr ist seit Ausbruch der Corona-Pandemie vor zweieinhalb Jahren zunehmend aus dem Takt, so dass dringend benötigte Lieferungen ihr Ziel nicht rechtzeitig erreichen. Jede Störung, etwa Lockdowns in einzelnen Häfen, eine Havarie wie die der “Ever Given” im Suezkanal oder eben Arbeitskämpfe bringt zusätzlich Sand ins Getriebe und mindern die Pünktlichkeit der Schiffe.

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