"Ich würde keine erhalten" -Kollegen reagieren auf Sondergenehmigung für ungeimpften Djokovic

“Ich würde keine erhalten”: Erste Tennis-Kollegen reagieren auf Sondergenehmigung für ungeimpften Djokovic

Dank einer Ausnahmegenehmigung ist Impfgegner Novak Djokovic am Dienstag nach Melbourne aufgebrochen. Der Weltranglistenerste darf wohl ungeimpft am ersten Grand-Slam-Turnier der Saison teilnehmen. Sofort üben zwei Profis leise Kritik am Sonderstatus des Serben.

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Die Ausnahmeregel für Novak Djokovic bei den Australian Open löst neue Debatten aus. Wohl ohne die eigentlich vorgeschriebene Impfung gegen das Coronavirus wird der serbische Weltranglistenerste in Melbourne den Grand-Slam-Rekord angreifen. “Ich habe in der Pause eine fantastische Zeit mit meinen Lieben verbracht und heute reise ich mit einer Ausnahmegenehmigung nach Down Under. Let’s go 2022”, schrieb der 34-Jährige knapp zwei Wochen vor dem Turnierstart. Die Erlaubnis hat er einer Mitteilung des australischen Tennisverbands zufolge von unabhängigen Experten erhalten.

Die Vorschriften sehen vor, dass nur Spielerinnen und Spieler, die gegen das Virus geimpft sind oder eben unter eine medizinische Ausnahme fallen, in Australien antreten dürfen.

“Medizinische Ausnahme”: Djokovic darf mit Sondergenehmigung nach Melbourne reisen

Seinen Impfstatus hatte Djokovic immer wieder offen gelassen und zur Privatsache erklärt. Nun lüftete er das Geheimnis zwar nicht mit einer klaren Aussage, indirekt aber schon. Die Ausnahmeregel legt nahe, dass er nicht geimpft ist. Was dahinter steckt, ist nicht bekannt. Das befeuert Diskussionen und wirft weitere Fragen auf: Was kann eine Nummer eins der Tennis-Welt haben, um als medizinische Ausnahme zu gelten? Warum lässt sich Djokovic nicht impfen? Wie werden seine Konkurrenten die Entscheidung aufnehmen?

Mit einem Foto, das ihn auf einem Flughafen lächelnd neben seinem Tennis-Gepäck zeigt, verbreitete Djokovic seine Nachricht im Internet. Kurz darauf bestätigten die Veranstalter die Ausnahme-Bewilligung. Der 20-fache Grand-Slam-Turniersieger habe sich für eine medizinische Ausnahme beworben, und sie sei nach strenger Überprüfung, an der demnach zwei unabhängige Expertengremien beteiligt waren, erteilt worden. Eins der Gremien sei vom Gesundheitsministerium des australischen Bundesstaates Victoria ernannt.

Murray über Sondergenehmigung von Djokovic: “Ich würde keine bekommen”

Es seien faire und strenge Vorschriften für die Bewerbungen für medizinische Ausnahmen eingeführt worden, damit die Australian Open “sicher und angenehm für jeden” seien, sagte Turnierdirektor Craig Tiley. Zentraler Punkt sei, dass unabhängige Experten die Entscheidung getroffen hätten. Laut der australischen Zeitung “The Age” hatte Turnierboss Tiley am Wochenende bekanntgegeben, dass eine Handvoll ungeimpfter Spieler Ausnahmen bekommen hätten.

Für den britischen Tennisprofi Jamie Murray ist klar, dass Djokovic auch dank seiner neun Siege in Melbourne Sonderrechte erhält. “Ich denke, wenn ich nicht geimpft wäre, würde ich keine Ausnahmegenehmigung erhalten. Aber gut für ihn, dass er es hinbekommen hat, nach Australien zu reisen und teilnehmen zu dürfen”, sagte der ältere Bruder von Andy Murray beim ATP Cup in Sydney. Leise Kritik konnte sich auch der Australier Alex de Minaur nicht verkneifen: “Ich finde es einfach sehr interessant. Das ist alles, was ich dazu sage.”

Australien hatte sich während der Corona-Krise lange abgeschottet, mit harten Maßnahmen wurde die Pandemie bekämpft. In Melbourne herrschte lange Lockdown. Anfang Dezember hatte der stellvertretende Premierminister James Merlino gesagt, es gebe nur eine begrenzte Anzahl von Gründen für eine Ausnahmegenehmigung. “Medizinische Ausnahmen sind genau das – es ist kein Schlupfloch für privilegierte Tennisspieler”, so Merlino laut ABC. “Es ist eine medizinische Ausnahme unter außergewöhnlichen Umständen, wenn man eine akute Erkrankung hat.”

Mit Triumph in Melbourne wäre Serbe alleiniger Rekord-Grand-Slam-Sieger

Schon im Frühjahr 2020 hatte sich Djokovic als Impfgegner positioniert. “Ich persönlich bin gegen Impfungen. Ich möchte nicht, dass mich jemand zwingt, einen Impfstoff einzunehmen, um reisen zu können”, hatte der Serbe gesagt. Auch mit der von ihm mitorganisierten Adria-Tour im Sommer 2020, bei der sorglos mit dem Coronavirus umgegangen worden und die stark in die Kritik geraten war, hatte er für Schlagzeilen gesorgt. Insbesondere als Party-Bilder aufgetaucht waren. Djokovic hatte sich schließlich selbst im Rahmen der Adria Tour im vergangenen Jahr infiziert.

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Seit November sind die Impf-Bedingungen für die Australian Open bekannt. Auf seinen eigentlich angekündigten Start beim derzeit laufenden ATP Cup in Sydney – dem Teamevent, das als Vorbereitung dient – hatte der Weltranglisten-Erste kurzfristig noch verzichtet. Und dennoch war ein Grand-Slam-Turnier in Melbourne ohne Djokovic nur schwer vorstellbar gewesen. Neunmal – so oft wie kein anderer – hat er schließlich in Melbourne triumphiert.

Mit dem nächsten und insgesamt 21. Grand-Slam-Titel will er seine großen Rivalen Rafael Nadal und Roger Federer überflügeln und zum alleinigen Rekord-Grand-Slam-Turniersieger aufsteigen. Das ist sein großes Ziel, nachdem 2021 der Traum vom Grand Slam, also dem Triumph bei allen vier Grand-Slam-Turnieren in einem Kalenderjahr, bei den US Open geplatzt war.

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lsc/mit dpa

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