Marktbericht: Geht da noch was im DAX?



Marktbericht

Stand: 15.11.2021 09:44 Uhr

Der DAX ist mit Gewinnen in die neue Woche gestartet. Die Rekordrally im deutschen Leitindex scheint noch nicht ganz ausgereizt. Rückenwind für den DAX kommt vom günstigen Euro und dem schwächeren Ölpreis.

Wer nach der starken Vorwoche auf Gewinnmitnahmen im großen Stil bei den DAX-Aktien gesetzt hatte, sieht sich zu Handelsbeginn getäuscht. Die 40 deutschen Standardwerte ziehen zum XETRA-Start um 0,1 Prozent auf 16.109 Punkte an.

Positive Unternehmensnachrichten vom DAX-Schwergewicht Airbus, die positive Charttechnik im deutschen Leitindex, der niedrige Euro/Dollar-Kurs und die nachgebenden Ölpreise heben die Stimmung am deutschen Aktienmarkt.

Nach dem neuen Rekordhoch bei 16.123 Punkten am Freitag könnten die technischen Voraussetzungen für eine Fortsetzung der Rally kaum besser sein. Erst unterhalb der jüngsten Aufwärtskurslücke (untere Kante bei 15.973 Punkten) bekämen die Bären wieder etwas Oberwasser.

Fundamental bleiben die Rahmenbedingungen für weitere DAX-Rekorde allerdings schwierig: Europa steckt inmitten der vierten Corona-Welle, die Lieferkettenprobleme und Chipengpässe sind noch nicht gelöst und auch der allgemeine Preisauftrieb setzt sich fort.

Niedriger Ölpreis schürt Hoffnungen

Zugleich nährt der aktuell schwächere Ölpreis aber auch Hoffnungen, dass es sich bei den derzeit hohen Inflationsraten nur um ein vorübergehendes Phänomen handelt, das keine unmittelbare Straffung der Geldpolitik durch die Notenbanken erfordert.

“Alles, was das Narrativ einer nur temporären Teuerung bestätigt, ist positiv für den Aktienmarkt”, unterstreicht CMC-Analyst Jochen Stanzl.

Rückenwind für den DAX kommt weiterhin vom günstigen Euro – die europäische Gemeinschaftswährung notiert am Morgen bei 1,1446 Dollar und hält sich damit in Nähe ihres jüngsten Tiefstandes. Am Freitag war der Euro bis auf 1,1432 Dollar gefallen, den tiefsten Stand seit Sommer 2020.

Ein günstiger Euro/Dollar-Kurs stärkt die Nachfrage nach deutschen Produkten im Dollar-Raum und ist somit eine gute Nachricht für die schwer gewichtete Exportindustrie im DAX.

Unsicherheitsfaktor Biden-Xi

Für Unsicherheit unter den Marktteilnehmern sorgt derweil die heute Nacht (Dienstag, 1:45 Uhr MEZ) anstehende Videokonferenz des US-Präsidenten mit dem chinesischen Staats- und Parteichef Xi Jinping.

Joe Biden kündigte im Vorfeld an, er werde im Umgang mit China auf einen “harten Wettbewerb” setzen, wolle einen offenen Konflikt aber verhindern. Neue Verwerfungen zwischen den beiden Handelsgroßmächten würden an den Märkten aller Voraussicht nach für Turbulenzen sorgen.

An der Wall Street zeigten zum Wochenausklang vor allem Technologiewerte wieder Stärke. Anleger griffen bei großen Techwerten wie Apple, Meta Platforms, Microsoft, Amazon.com sowie Google-Inhaber Alphabet zu. Deren Aktien gewannen zwischen 1,2 und vier Prozent.

Der technologielastige Nasdaq 100 rückte 1,0 Prozent auf 16.200 Zähler vor. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,5 Prozent höher auf 36.100 Punkten. Der breit gefasste S&P 500 legte 0,7 Prozent auf 4682 Punkte zu.

Damit schlugen die US-Börsen zum Ende einer turbulenten Woche einen versöhnlichen Kurs ein. Eine hohe Inflationsrate hatte die Börsen in den Tagen zuvor durchgerüttelt.

Die asiatischen Aktienmärkte können zu Wochenauftakt nach Wirtschaftsdaten aus China und Japan keine gemeinsame Richtung finden. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index liegt zum Handelsschluss 0,6 Prozent höher bei 29.777 Punkten.

In Japan war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) von Juli bis September auf das Jahr hochgerechnet (annualisiert) um 3,0 Prozent eingebrochen. Der Rückgang fiel damit höher als von Experten erwartet aus, was wiederum Spekulationen über ein aggressives fiskalisches Konjunkturprogramm verstärkte.

Im DAX rückt die Airbus-Aktie in den Fokus. Der Flugzeugbauer hat auf der Dubai Airshow einen Großauftrag erhalten. Indigo Partners habe 255 Maschinen der Typfamilie A321neo bestellt, teilte der europäische Konzern mit. Zu Indigo Partners gehören die ungarische Wizz Air, die US-Gesellschaft Frontier, die mexikanische Volaris und die in Chile und Argentinien beheimatete JetSmart.

Eine starke Nachfrage nach Wohnungen gibt dem Wohnimmobilienkonzern Grand City Properties weiter Auftrieb. In den ersten neun Monaten legte das operative Ergebnis (FFO 1) im Jahresvergleich um drei Prozent auf 140,5 Millionen Euro zu. Allerdings gingen die Mieterlöse in den ersten neun Monaten des Jahres wegen Immobilienverkäufen etwas zurück.

Die Schweizer Großbank UBS hat Lufthansa von “Sell” auf “Neutral” hochgestuft und das Kursziel von 4,90 auf 7,05 Euro angehoben. Der Ausblick für die Airline habe sich aufgehellt, schrieb Analyst Jarrod Castle. Die Fortschritte im dritten Quartal veranlassten zur Annahme, dass der Konzern im Jahr 2024 eine Marge von über acht Prozent erreichen werde.

Gestiegene Kosten für Rohstoffe und Transporte haben dem Windkraftanlagen-Hersteller Nordex im dritten Quartal einen Verlust eingebrockt. Unter dem Strich stand ein Minus von knapp 40 Millionen Euro nach knapp 73 Millionen Gewinn ein Jahr zuvor. Nach den ersten neun Monaten summiert sich der Verlust nun auf fast 104 Millionen Euro.

Eine düstere Prognose lässt Anleger bei Secunet Reißaus nehmen. Die Papiere des IT-Sicherheitsdienstleisters stürzen im frühen Handel um fast 18 Prozent ab auf 472,50 Euro – in der Vorwoche hatten sie mit 608 Euro noch ein Rekordhoch erreicht. Ein Händler sagte am Morgen, der Ausblick sei katastrophal.

Der Streamingdienst Apple TV+ will mit seiner ersten koreanischen Originalserie zu dem Erfolg von “Squid Game” seines Konkurrenten Netflix aufschließen. Zeitgleich mit dem Start seiner Plattform in Südkorea veröffentlichte der US-Technologiekonzern die Sci-Fi-Serie “Dr. Brain”, die auf dem gleichnamigen koreanischen Web-Comic basiert.

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